„Die Gefahr der Zensur durch den Lehrer kann nicht als groß genug bezeichnet werden. Sofort befördert sie die Einstellung des Lernens auf den Lehrer und verdirbt die eigene Arbeitslinie des Kindes und verstört das eigene sittliche Urteil, die Sicherheit der eigenen Stimme des Kindes.“ (14, S. 94) So äußerte sich Petersen über die Notengebung. In seinem, auf zehn Jahre konzipertem Schulmodell, rücken die Schüler in der Regel nach drei Jahren in die nächsthöhere Gruppe auf. Der Wechsel erfolgt zum Ablauf des dritten Schuljahres, eine frühere oder spätere Versetzung ist ebenfalls möglich. Wird z.B. nach Rücksprache mit den Lehrern und Eltern entschieden, das Kind sei in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung in der höheren Stammgruppe überfordert, kann es ein weiteres Jahr in der bisherigen Gruppe verbleiben.

Zum Ende jedes Halbjahres wird ein Bericht über jeden Schüler verfasst. Beobachtungen und Urteile aller Lehrer werden zu einem „objektiven Bericht“ für die Eltern und zu einem „subjektiven Bericht“ für die Schüler zusammengefasst. In dem Bericht für das Kind wird nur das gesagt, was nach der Überzeugung des Lehrers das Beste für das Kind ist. So wird manches weggelassen, manches stärker oder schwächer erwähnt als im objektiven Bericht. Auf diese Weise können sowohl die Eltern als auch die Schüler den aktuellen Leistungsstand auf eine angemessene Art erfahren.

Die erste „Charakteristik“, wie Petersen die Berichte nennt, wird zum Ende des dritten Schuljahres, also zum Wechsel in die nächste Stammgruppe, erstellt. Auch das hilft, eine „ruhige Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.“ (10, S. 99)

Noten und übliche Zeugnisse werden nicht vergeben. Dennoch will das Kind auch während des Schuljahres seinen Lernstand wissen. Dazu hat es für die Selbstbewertung genügend Anhaltspunkte: Es kann seine Schrift mit der anderer Kinder vergleichen, die Rechenaufgaben können im Heft nebeneinander gestellt werden oder das eigene künstlerische Werk erscheint neben dem der anderen Schüler. Das Kind braucht hingegen die Fremdbewertung bei allen Dingen, die nicht schriftlich fixiert werden, z.B. dem Kopfrechnen oder Lesen. In den ersten vier Schuljahren kann das Kind nach Petersen das Lesen selbst nicht angemessen beurteilen. Deswegen wird dem Kind Auskunft über seine individuellen Lesefortschritte gegeben.

Im SS 2000 haben Studentinnen im Rahmen des Seminars "Unterricht und Schule öffnen" Unterichtsbeobachtungen zum Thema "Leistung" bei Frau Hertlein-Maier durchgeführt.

Die Beobachtung finden Sie hier.

weitere Merkmale: