Die vier Basisaktivitäten des Lernens und Sich-Bildens sind die Feier, das Gespräch, das Spiel und die Arbeit.

Im Jenaplan ergeben diese vier Urformen „die ,Basis¢ von denjenigen Wissenskreisen [...], in denen der Mensch lebt.“ (14, S. 88) Das heißt, dass Petersen im Jenaplan versucht hat, das natürliche Lernen auf die Schule zu übertragen. Aus diesem Grund werden die Basisaktivitäten auch „Urformen des Lernens“ (14, S. 87) genannt. Der Gedanke geht auf F. Dörpfeld zurück, der versucht hat, das „durch die Natur der Dinge und die Natur des Geistes Gegebene“ (14, S. 87, zitiert aus Dörpfeld: Grundlagen einer Theorie des Lehrplans. 5. Auflage, 1920) in seinem Unterricht umzusetzen. Jedoch berücksichtigte dieser nur die Basisaktivitäten, die vom Lehrer geleitet werden, das Gespräch und die Arbeit. Das Spiel gewann durch Karl Groos u.a. am Ende des 19. Jahrhundert an Beachtung, die Feier war als grundlegende Form des Unterrichts bis Petersen kaum bekannt

Feier (aus 10, Heft 3, S.7)

Innerhalb eines Jahres markiert die Feier wichtige Punkte im Leben des Menschen, wie z.B. die Geburtstags- oder die Weihnachtsfeier. Bei der Feier in der Schule soll das Kind emotionale Erfahrungen machen, und dabei lernen. Gerade Ereignisse, die mit Gefühlen verbunden werden, sind besser im Gedächtnis zu behalten.            Wesentlich bei der Feier ist das Geben und Nehmen, zwei Grundhandlungsweisen im menschlichen Miteinander. Kinder setzen sich dabei für andere ein, wie z.B. bei der „vom Lehrer durchformten Feier“ (14, S. 91).

 Diese ist eine Feier von Schülern für Schüler mit Unterstützung des Lehrers, z.B. eine Feier für Schulanfänger von Schülern der Obergruppe. Auch bei der „ von den Schülern selbständig gestalteten Feier“(14, S. 91) organisieren Schüler für andere Schüler oder Lehrer, z.B. eine Geburtstagsfeier. Die Personen, für die Feiern gestaltet werden, sind dabei die Nehmenden. In dieser Situation des Gebens und Nehmens wird auf besondere Art Gemeinschaft erfahren. Gemeinsam wird geplant und durchgeführt, die Freude des Empfangenden wird erlebt. Der Nehmende empfindet sich als wichtigen Teil dieser Gesellschaft, für den in diesem Augenblick die Feier stattfindet. Kurz wird er als etwas besonderes herausgehoben, als wertvolles Mitglied der Gemeinschaft. Bereits am nächsten Tag kann er wieder Teil der Gruppe sein, die für einen anderen Mitschüler eine Feier organisiert und die Freude anderer erfahren.

Bei Feiern werden viele Fähigkeiten des sozialen Lebens und Fertigkeiten gelernt, wie das Sich-Einsetzen für andere, Kreativität und Selbstständigkeit bei den Vorbereitungen, soziale Interaktion beim Absprechen und Einigen mit den anderen Schülern. Beim gemeinsamen Handeln wird das Wir-Gefühl der Gruppe gestärkt, Werte wie Anerkennung und Achtung werden übernommen, da immer auch die Interessen der Mitschüler beachtet werden müssen.

Fertigkeiten werden bei Feiern eingeübt, wenn ein Kind z.B. ein Gedicht auswendig vorträgt, einen Text vorliest oder einen Witz erzählt. Dabei wird das Selbstwertgefühl gestärkt. „Welches Gefühl der Zufriedenheit und Selbstbestätigung strahlt ein Kinderseufzer aus“, schreibt Hauptmann (11, S. 22), „wenn die Anspannung nach dem Vortrag eines Gedichtes oder Textes fällt,  wenn einem die anderen Kinder gespannt zugehört haben und sich deren Spannung in herzhaften Lachen entlädt. Der Mut, öffentlich aufzutreten und die erbrachte Leistung werden mit dem Beifall der MitschülerInnen belohnt.“ Ausschlaggebend für das Gefühl, „es geschafft zu haben“ sind noch zwei weitere Punkte: 1) Das Kind stellt freiwillig etwas vor, 2) der Vortrag erfolgt ohne Notenzwang.

Nach Peter Petersen gibt es neben den bereits erwähnten Feiern noch „die vom Lehrer gebotene Feier“ (14, S. 91), z.B. die Morgenfeier oder die Darbietung eines Gedichtes durch den Lehrer, und „die vom Lehrer geleitete Feier“ (14, S. 91). Das sind alle „größeren“ Feiern (d.h. die Planung erfolgt über einen längeren Zeitraum, die Feier findet einen ganzen Abend oder auch Tag statt), die vom Lehrer zwar geleitet, von den Schülern jedoch gestaltet werden, wie z.B. ein Sommerfest, Weihnachten oder Fasching.

Diese Feiern erfordern zeitlich einen relativ großen Rahmen, sowohl in der Planung als auch in der Durchführung. Eine Feier braucht jedoch nicht dieses Ausmaß, wichtig dabei ist das Erlebnis der Gemeinschaft. Der tägliche Unterricht bietet Zeit für eine „Kurzfeier“ (14, S. 10), die in der Regel im Sitzkreis stattfindet. Zur Gestaltung eignen sich ein gemeinsames Lied und kurze Gespräche über Erlebnisse, Arbeiten und besondere Vorkommnisse im Unterricht. Es können auch Stilleübungen, Vorführungen der Schüler, Spiele etc. miteinbezogen werden. Dabei ist entscheidend, dass die Kinder diese Zeit als etwas Besonderes ansehen, erkennen, dass sie als Person und die anderen Schüler wichtiges Element der Feier sind.

Seitz (14, S. 11) nennt fünf Qualitätsmerkmale der "guten Feier":

1)     „Schulische Feiern würdigen einen echten Anlass“: Die Schüler erkennen diesen und empfinden ihn als „feierwürdig“.

2)     „Gute Feiern werden nicht angeordnet, sondern im Einverständnis aller festgelegt. Art und Umfang wird den Teilnehmern weitgehend selbst überlassen.“

3)     „Viele Elemente kommen über Eigeninitiative und Kreativität zustande.“

4)     „Von höchster Bedeutung ist die Atmosphäre beim Verlauf der Feier“: Die Kinder entspannen sich in einer Gemeinschaftssituation ohne Zwang, sind aber doch gespannt auf das, was kommen wird. Die einen bieten aktiv etwas dar, die anderen folgen still diesem Vortrag.

5)     „Feiern benötigen einen formellen Rahmen“: Der formelle Rahmen wird dabei nicht als störend aufgefasst, er gibt das Verhalten in einer Gemeinschaft vor, das als wichtig erachtet wird.

Dazu: Unterrichtsbeobachtung aus dem Seminar "Untericht und Schule öffnen" im SS 2000. HIER

Das Gespräch findet z.B. beim gemeinsamen Frühstück, zur Verarbeitung des gerade Gelernten, bei Vorträgen von Arbeitsergebnissen, auch während der Gruppenarbeit zwischen Lehrer und Schüler und zwischen den Schülern statt. Das Gespräch wird durch Regeln unterstützt. „Gesprächsfähigkeit zu entwickeln heißt, verbale und nonverbale Handlungsfähigkeiten zu entwickeln, Zuhören und Verstehen zu lernen“ (3, S. 151). Gerade das Zuhören fällt den Kindern heute schwer. Der Verzicht, anderen Kindern den Vortritt zu lassen und  zuzuhören, wird während des Gesprächs gelernt.

Nach Heger (in 3) gibt es folgende wichtige Aspekte des Gesprächs: das Lehrgespräch, die Frage, die Gesprächsleitung, die Lehrerfrage, das Kreisgespräch, das Klassengespräch, das Partnergespräch und den Vortrag.

„Zu verlangen ist ganz allgemein für das Schulgespräch die Form höflicher Unterhaltung“ (14, S. 54), so Petersen zum Lehrgespräch. Ziel hierbei ist Bildung aufgrund von Erkenntnissen und Erfahrungen. Die Frage ist das „wichtigste Mittel im Leben“ (14, S.55), sie ist unentbehrlich. Das Fragen ist eine natürliche Art des Wissenserwerb (das Fragen gehört zum Neugierverhalten, wie auch das Spiel, das Erkunden u.a.). Die Lehrerfrage hingegen ist pädagogisches Mittel. Hat der Lehrer z.B. den Eindruck, ein Gespräch kommt zu keinem befriedigenden Ende, beteiligt er sich z.B. kurz an einem Schülergespräch und bringt neue Aspekt durch gezielte Fragestellung. Die Gesprächsleitung klärt die Fragen: „Haben wir das Problem lösen können? Haben wir uns an die vereinbarten Regeln gehalten? Erzielten wir Fortschritte? Woran müssen wir noch arbeiten?“ (3, S. 155) Je älter die Kinder, desto häufiger wird die Gesprächsleitung von Schülern übernommen. Im Kreisgespräch, z.B. dem Montagmorgenkreis (gehört häufig zur Feier, hier treffen zwei Formen aufeinander), werden wichtige Aspekte des Zusammenlebens in der Schule und des  individuellen Lebens der Kinder besprochen. Es wird vom Wochenende erzählt, Konflikte innerhalb der Klasse werden zu klären versucht. Hier ist auch Raum, Wochenplanungen vorzustellen. Das Klassengespräch unterscheidet sich vom eben genannten Kreisgespräch. Im Klassengespräch werden ausschließlich Themen angesprochen, die den Unterricht direkt betreffen. Noch zwei weitere Aspekte des Gesprächs werden von Heger betont. Im Partnergespräch werden Gemeinsamkeiten besprochen, es findet von Kind zu Kind oder von Kind zu Lehrer statt. Beim Gespräch Schüler - Lehrer werden auch Lernerfolg und gemeinsame Strategien, z.B. zur Verbesserung oder Beibehaltung der Noten, angesprochen. Vorträge schließen Arbeiten ab. Erfahrungen und Wissen der Erarbeitungsphase werden den anderen Schülern berichtet.

Die angesprochenen Gesprächsformen schulen in hohem Maße die Kommunikationsfähigkeit und die Sprachkompetenz. Sie sind Voraussetzung für die Basisaktivität „Arbeit“.  

Dazu: Unterrichtsbeobachtung aus dem Seminar "Untericht und Schule öffnen" im SS 2000. HIER

 

Die Arbeit ist Teil aller Kurse, des Gruppenunterrichts und der Gestaltungslehre (s. Wochenarbeitsplan). Arbeit ist die  „Grundform des Tätigseins“ (14, S. 90).

Im Gruppenunterricht wird weitgehend schülerzentriert gearbeitet. Die Kinder beschäftigen sich über einen längeren Zeitraum mit einem weitgehend selbstgewählten Teilbereich eines gemeinsamen Themas. Dabei ist den Kindern das Lerntempo freigestellt, außerdem ist in dieser Phase die gegenseitige Hilfe ein wichtiger Aspekt des Arbeitens.

Kurse haben vor allem die Vermittlung methodischer Verfahren, die Aneignung von Lernstrategien und den Umgang mit Lernmaterialien zum Ziel. Auch wird ein „Mindestlernstoff“ (14, S. 79) erarbeitet, der für die Bewältigung von Situationen im täglichen Leben notwendig ist. Ergänzt wird diese Phase durch Arbeiten in Wahlkursen, in denen spezielles Interesse der Schüler aufgegriffen und vertieft wird. Diese Phase ist geprägt durch die lehrerzentrierte Umsetzung.

In Gestaltungslehre wird das kreative Arbeiten gefördert.

 

Das spielerische Lernen ist Peter Petersen besonders in den ersten Schuljahren sehr wichtig. Insbesondere für Wiederholungen des Lehrstoffes (der Kurse, des Gruppenunterrichts) sind Spiele sehr beliebt. Das Spiel schließt aber auch alle Bewegungserfahrungen, Sport und Gesang mit ein.

Teufel nennt folgende Merkmale des Spiels (in 3, S. 181):

·        „Spiel ist in der Regel eine von den Kindern selbstgewählte Aktivität“

·        „Im Spiel lernen Kinder [den] handelnden Umgang mit den Dingen“ als Grundlage für anschauliches Denken.

·        „Im Spiel können Kinder spontan Gefühle und Gedanken, die sie bewegen, einbringen und dadurch innere Spannungen abbauen.“ Eigene Wünsche und Interessen werden in die Spielsituation mit aufgenommen, sie müssen mit denen der Spielpartner abgestimmt werden. Dadurch wird soziales Lernen gefördert.

·        Während des Spiels können Kinder neue, ungewohnte und verbotene Verhaltensweisen ausprobieren. „Dies dient der psychischen Entlastung und Entspannung.“

·        „Beim Spielen gibt es [...] keinen Leistungsdruck und negativen Stress durch Versagensängste.“

·        „Konfliktlösungsmöglichkeiten können angstfrei ausprobiert werden.“

·        „Die sprachliche Kompetenz wird gefördert, weil die Kinder ihren Mitspielern ihre Ideen, Wünsche. Proteste, ... verständlich machen müssen.“

·        Da die selbstgewählten Spiele Freude bringen, sind Lernprozesse besonders effektiv.  

Dazu: Unterrichtsbeobachtung aus dem Seminar "Untericht und Schule öffnen" im SS 2000. HIER
weitere Merkmale: