In ungefähr 25% der gesamten Schularbeit findet Gruppenunterricht statt. Dies ist ein Phase interessenbezogener Arbeit.

Der Unterricht wird in Stammgruppen erteilt. Es werden Tischgruppen von zwei bis sechs Schülern gebildet, die Zusammensetzung (Sozialform) können die Schüler selbst bestimmen. Dabei werden Themen bearbeitet, die z.T. auch von den Schülern vorgeschlagen werden. Während der Gruppenarbeit wird weitgehend ohne die Hilfe des Lehrers gearbeitet, dadurch soll selbstständiges Denken und Handeln angeregt werden. Darüber steht das soziale Ziel: Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe auch über die Tischgruppe hinaus sind wichtige Aspekte des Gruppenunterrichts.

Arbeiten in einer Gruppe

Zunächst wird das Rahmenthema bestimmt, das z.B. durch Wanderungen, gemeinsame Ausflüge oder Interessen innerhalb der Gruppe gefunden werden kann, wie z.B. ‚Mensch und Beruf´. Dabei ist die Erfahrungs- und Lebenswelt des Kindes wichtig. Auf diese Art und Weise wird auch „die Ganzheitlichkeit, mit der dem Kind seine Welt begegnet, erhalten“ (13, S. 19). Es folgt eine Übersicht über das Thema; eine Gliederung, auch in Unterthemen, und ein Vorgehensplan werden gemeinschaftlich erstellt.

 

Die Bearbeitung erfolgt durch die Tischgruppen und durch Einzelschüler. Dies ist nicht starr festgelegt, das Konzept ist offen für verschiedene Formen der Gruppen- und Zusammenarbeit. So kann Hilfe auch tischübergreifend erfolgen, ebenso ist Partnerarbeit möglich. Die Bearbeitung, die „Kernsituation“ der Gruppenarbeit, wird schrittweise in einem Heft oder einer Mappe dokumentiert. Das kann in Form einer Niederschrift in ein Arbeitsheft stattfinden, aber auch Bildersammlungen, Zeichnungen, Skizzen, Karten, Modelle u.v.m. sind möglich. Beim Rahmenthema ‚Mensch und Beruf´ wählt ein Schüler z.B. den Beruf ‚Mediengestalter im Bereich Internet´. Dabei sollte er den Beruf in relativer Geschlossenheit darstellen, d.h. möglichst alle Aspekte des Berufsfelds ‚Mediengestalter´ berücksichtigen. Außerdem können eigene Erfahrungen, wie der Besuch einer Werbeagentur oder Internetfirma, miteinbezogen werden, eine Vertiefung kann durch Bücher und Lexika stattfinden.

Für die anschließende Ausarbeitung eines Schülervortrags für  den Berichtskreis muss der Schüler seine Arbeit noch einmal zusammenfassen und überdenken. Dem Vortrag schließen sich Fragen und Diskussionen an, deren Ergebnisse in Arbeitsheften festgehalten werden. In dieser Phase der Gruppenarbeit wird auch das Thema, das in Teilgebiete aufgeteilt wurde, thematisch wieder zusammengefügt und besprochen.

Während der gesamten Arbeitsphase steht der Gruppenleiter beratend und helfend zur Seite. Er verfolgt die einzelnen Arbeiten und versucht bei Schwierigkeiten vorsichtig zu führen und die Arbeitshaltung positiv zu beeinflussen.

Eine Ausnahme in diesem Ablauf tritt bei der Untergruppe auf: Das gemeinsame Lernen von Lesen, Schreiben, Rechnen, vor allem mit Hilfe von Lernspielen, steht hier im Mittelpunkt, ebenso wie Malen, Zeichnen und Basteln.

In der Gruppenarbeit werden wichtige Ziele des Jenaplans im besonderen Maße verwirklicht. Der erziehende Unterricht, die „Aktivierung der menschlichen Beziehungen“ (2, S. 89) und integrierte Lernarbeit im Zusammenleben der Gruppe werden hier umgesetzt.

In traditionellem Unterricht bekommen Schüler mit unterschiedlichem Wissensstand häufig verschiedene Aufgaben vom Lehrer. Es wird differenziert. Ist dies im Jenaplan ebenfalls der Fall? Im Gruppenunterricht des Jenaplans wird „automatisch“ differenziert, d.h. sie ist nicht vorgesehen, findet aber indirekt statt. Die Kinder wählen selbstständig, ganz nach eigenem Interesse einen Teilbereich eines Themas, und bearbeiten dieses weitgehend selbstständig und unterschiedlich ausführlich, abhängig vom individuellen Leistungsvermögen . Da dieser Unterricht, im Gegensatz zu den Kursen, in den Stammgruppen abgehalten wird, gibt es den Vorteil der Altersmischung dreier Jahrgänge. Dabei existiert immer ein natürliches Leistungsgefälle.

Nach Dietrich gibt es dabei allerdings den Nachteil, dass der Lernzuwachs durch die selbstständige Bearbeitung nicht ausreichend gesichert sei. Aus diesem Grund gibt es neben dem Gruppenunterricht auch Kurse.

weitere Merkmale: